hd

An ihrer Seite

Seit 50 Jahren sind Grant und Fiona Andersson glücklich verheiratet; von den vereinzelten Seitensprüngen des Hochschullehrers hat seine Ehefrau nie etwas mitbekommen. Gelegentlich macht sie zwar Andeutungen, die für Spannungen sorgen, dennoch verspricht der Lebensabend glücklich zu werden - bis Fiona immer stärker unter Gedächtnisverlust leidet und man Alzheimer bei ihr diagnostiziert. Freiwillig lässt sie sich in ein Altenheim einweisen. Als Grant seine Frau nach 30 Tagen erstmals besucht, erkennt Fiona ihn nicht wieder.


CAN 2006
110 min
Genre: Drama/Movie
Regie: Sarah Polley
Darsteller: Gordon Pinsent, Julie Christie, Stacey LaBerge
Studio: Elite Film AG
FSK: o.A.
Preis: € 1,98
Preis HD: € 2,98

Inhalt

Die kanadischen Schauspielerin Sarah Polley („My Life Without Me“, „The Secret Life of Words“) legte mit gerade einmal 28 Jahren ein fulminantes Regiedebüt vor: In „An ihrer Seite“ erzählt sie die Leidensgeschichte einer verblassenden Liebe: Ein Ehepaar plant seinen langen Abschied voneinander, weil die Frau an Alzheimer leidet. Nach und nach verlassen sie ihre Erinnerungen an frühere Zeiten, bis schließlich der Punkt kommt, an dem sich die Frau in die Obhut eines Pflegeheims begibt. Polley erzählt den Film aus der Sicht des Mannes, der verzweifelt versucht, im Kopf seiner Frau zumindest als Erinnerung zu überleben. Einfühlsam inszeniert und grandios gespielt von Julie Christie und Michael Murphy.

Quelle: Archiv/ Presseheft

Interview Sarah Polley

Regisseurin und Schauspielerin Sarah Polley im Interview zu "An ihrer Seite"

Wie kommt es, dass Sie sich als junge Schauspielerin für ihr Regiedebüt eine Geschichte über alte Menschen auswählten?

Ich las die Geschichte schon, als ich 21 war, und war sofort sehr bewegt davon. Denn hier wird eine Liebesgeschichte erzählt, die anders ist, als die üblichen Love-Storys, die immer nur vom Beginn einer Liebe berichten. Hier sieht man, wie sich eine Liebe über Jahrzehnte entwickelt und wie wichtig die eigenen Erinnerung für eine Beziehung ist. Wenn die Erinnerung nicht mehr da ist, ist auch die Liebe in Gefahr. Ich wollte diese Form der späten Liebe erforschen. Als ich Julie Christie einmal traf, bekam ich ihr Gesicht nicht mehr aus dem Kopf. Für mich war sie die perfekte Besetzung für die Hauptrolle. Das Thema Alzheimer wiederum interessiert mich sehr, und ich hatte das einmalige Privileg, für mein Regiedebüt das Recht auf den Final Cut zu haben, was sehr selten ist. Dadurch musste ich keinerlei kreative Kämpfe mit den Produzenten ausfechten, sondern konnte den Film so gestalten, wie ich es mochte.

Sie verwenden auch viele Rückblenden in ihrem Film, die aber anders wirken als gewöhnliche Rückblenden…

Ja, denn gewöhnlich zeigen Rückblenden, wie das Leben einmal war, transportieren dabei aber keine Stimmungen oder Gefühle. Ich finde, so etwas zu objektivieren, ist falsch. Deshalb habe ich versucht, die Rückblenden sehr subjektiv zu gestalten, um zu zeigen, wie Erinnerung wirklich funktioniert. Und wie fragmentarisch sie manchmal ist. Außerdem tendieren Filme über alte Menschen dazu, in Rückblenden ihre jeweils jüngeren, schöneren Versionen zu zeigen. Das wollte ich komplett verhindern.

Wie haben Sie sich in das Thema Alzheimer eingearbeitet?

Es gibt unzählige gute Bücher über das Thema, und meine Großmutter verbrachte die letzten drei Jahre ihres Lebens in einem Pflegeheim, weil sie an Demenz litt. All diese Erfahrungen und Beobachtungen habe ich dann in „An ihrer Seite“ eingebaut.

Wie haben Sie und Julie Christie die Rolle der Alzheimerkranken erarbeitet?

Julie ist sehr konzentriert bei ihrer Arbeit und ließ mich stark an ihrem Arbeitsprozess teilhaben. Das machte es mir leicht, sie zu führen.

Alzheimer ist eine Krankheit, vor der sich viele Menschen fürchten…

Ja, natürlich, denn niemand will Alzheimer bekommen, das ist klar. Aber es gibt noch eine andere Seite dieser Krankheit, von der ich in den zahllosen Internetforen erfahren habe: Viele Patienten berichten dort von dieser Kindlichkeit, die die Krankheit in ihnen auslöst. Eine kindliche Freude daran, Dinge neu zu entdecken. Eine Frau zum Beispiel freute sich eines Morgens wahnsinnig darüber, dass sie einen Hund bekommen hat, obwohl dieser schon seit 12 Jahren bei ihr lebte. Alzheimer ist eine fürchterliche Krankheit, und sie schmerzt die Angehörigen mindestens genauso wie die Betroffenen, aber dann gibt es diese seltsamen Glücksmomente der Patienten, über die man lachen können sollte. Denn andererseits verzweifelt man an dieser Krankheit.

Wollen Sie in Zukunft häufiger hinter der Kamera arbeiten?

Ja, aber ich will eine gute Mischung aus Regie und Schauspiel erreichen. Ich hatte vor diesem Projekt vier Jahre lang versucht, einen anderen Film für mein Regiedebüt auf die Beine zu stellen, bin aber kläglich an der Finanzierung gescheitert. Meine Reputation als Schauspielerin half mir dabei überhaupt nicht. Das hat mich sehr runtergezogen, zumal es in Kanada damals eine neue Richtlinie gibt, wie unsere Filme auszusehen haben: Nämlich kommerziell anstatt künstlerisch. Als ich dann „An ihrer Seite“ schrieb, setzte ich mir selbst eine Deadline: Ich war im April damit fertig und sagte mir: Wenn ich bis Jänner nicht am Set stehe und die Kameras laufen, dann gebe ich auf und werde es nie mehr versuchen, selbst Regie zu führen. Diese Energie und dieser Drang hat mich so sehr angestachelt, dass wir dann wirklich im Jänner drehten. Das Glück war, dass sich auch die Einstellung der kanadischen Filmförderung wieder etwas geändert hatte und man dort sehr wohl Raum für anspruchsvolle, künstlerische Projekte sah.

Welches Credo verfolgen Sie künstlerisch?

Nicht den Anspruch zu haben, mit einem Film das ganze Universum zu beschreiben. Viele große Regisseure, die ich bewundere, behandeln ihre Themen nicht als die wichtigsten der Welt, machen deutlich, dass sie bloß einen kleinen Ausschnitt, einen Aspekt des Lebens einfangen, aber niemals das ganze Leben an sich. Nicht so wie Oliver Stone, der seinen Film mit einer Einstellung des Globus aus dem Weltall beginnt, nur um hernach eine Geschichte über Football zu erzählen.

Quelle: Archiv/ Presseheft

Hintergrund

Seit 50 Jahren sind Fiona (Julie Christie) und Grant (Gordon Pinsent) verheiratet; seine vereinzelten Seitensprünge sind Jahrzehnte her und Fiona hat ihm verziehen. Gelegentlich macht sie noch Andeutungen, die für Spannungen sorgen, dennoch verspricht der Lebensabend glücklich zu werden - bis Fiona immer stärker unter Gedächtnisverlust leidet und man Alzheimer bei ihr diagnostiziert.

Schon bald darauf beschließt sie, sich selbst in ein Pflegeheim, das auf Fälle wie ihren spezialisiert ist, einzuweisen. Zum ersten Mal in ihrer Ehe werden die beiden getrennt. Und eine altmodische Aufnahmebestimmung des Pflegeheims Meadowlake sieht vor, dass in den ersten 30 Tagen des Aufenthalts kein Angehöriger die Patienten besuchen darf, damit diese sich ungestört einleben können.

Als Grant seine Frau nach diesen 30, für ihn quälend langen Tagen erstmals besucht, erkennt Fiona ihn nicht wieder. Schlimmer noch, ihre ganze Zuneigung gehört jetzt vielmehr Aubrey (Michael Murphy), einem anderen Heimbewohner. Grant bleibt nichts anderes übrig, als seinen neuen Status als "Bekannter", der Fiona täglich besucht, zu akzeptieren. Als Aubrey jedoch eines Tages wieder von seiner Frau Marian (Olympia Dukakis) nach Hause geholt wird und Fiona daraufhin in eine schwere Depression verfällt, erkennt Grant, dass ihm das größte Opfer an die gemeinsame Liebe noch bevorsteht ...

Der preisgekrönten kanadischen Schauspielerin Sarah Polley ("Das süße Jenseits", "Mein Leben ohne mich") ist mit ihrem herausragenden Regiedebüt AN IHRER SEITE ein ergreifender, herzerwärmender und unendlich zärtlicher Liebesfilm gelungen. Der Film handelt von der Kraft der Erinnerung und einer Liebe, wie sie erst durch ein langes gemeinsames Leben voller Höhen und Tiefen entstehen kann. Eine Hommage an die sensationelle Julie Christie - erzählt mit beeindruckender Einfühlsamkeit, leiser Ironie und ohne einen Hauch von falschem Kitsch. Der Film, der auf der Kurzgeschichte der kanadischen Autorin Alice Munro "Der Bär kletterte über den Berg" basiert, gehörte bereits bei seiner Weltpremiere auf dem Filmfest in Toronto, beim Sundance Filmfest sowie bei der Berlinale zu den Publikums- und Filmkritikerlieblingen.

Quelle: Archiv/ Presseheft