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Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

Kommissar Carl Mørck wird nach einem gescheiterten Auftrag unfreiwillig in das neu gegründete Sonderdezernat Q verlegt. Er soll ungelöste und längst vergessene Fälle wieder aufnehmen und zum Abschluss bringen. Schnell fesselt ihn und seinen Assistenten Assad der Fall von Merete Lynggaard. Die Politikerin ist vor Jahren auf mysteriöse Weise von einer Fähre verschwunden. Und der einzige Zeuge, ihr Bruder, ist nicht ansprechbar. Der Fall wurde als Selbstmord zu den Akten gelegt, doch Carl und Assad finden Hinweise, die sie an dieser Version der Geschichte zweifeln lassen...


DEU,DNK,SWE 2013
97 min
Genre: Thriller
Regie: Mikkel Nørgaard
Darsteller: Fares Fares, Nikolaj Lie Kaas, Sonja Richter
Studio: Warner Bros
FSK: 16
Preis: € 4,98
Preis HD: € 5,98

Letzte Chance!

Inhalt

Es beginnt wie ein ganz normaler Einsatz für Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und seine Kollegen. Sie beschatten das heruntergekommene Haus eines Verdächtigen – und warten vergeblich auf die angeforderte Verstärkung. Irgendwann reicht es Mørck, er greift seine Dienstpistole und betritt mit seinen Leuten das Haus. Dort stoßen sie auf die Leiche eines Mannes – und dann geht alles blitzschnell: Es fallen Schüsse, ein Kollege von Mørck ist sofort tot, Mørck selbst und ein weiterer Polizist, sein guter Freund Hardy (Troels Lyby), werden schwer verletzt... Anders als Hardy, der vom Hals abwärts gelähmt bleibt, kann Mørck einige Zeit später wieder seinen Dienst antreten. Doch als Verantwortlicher für das Desaster wird er von seinem Chef Jacobsen (Søren Pilmark) in die neu gegründete Sonderabteilung Q versetzt – die aus den Akten seit Jahren ungelöster Fälle besteht, die im Keller vor sich hin gammeln. Sein Auftrag ist klar: Er darf nicht mehr selbst ermitteln, sondern soll diese Fälle möglichst schnell und geräuschlos zum Abschluss bringen. Nun also auch das noch. Denn so richtig gut läuft es bei Mørck im Moment sowieso nicht: Nach dem fatalen Einsatz hatte sich seine Frau von ihm scheiden lassen, und er trägt nach wie vor schwer an der Schuld, Hardys Leben zerstört zu haben. Sein ständiges Händezittern versucht er mit Alkohol zu dämpfen, und seine Schuldgefühle mit aggressivem, unnahbarem Auftreten. Das bekommt insbesondere sein neuer Assistent Assad (Fares Fares) zu spüren, der Mørck im Keller – wo die Abteilung Q ihre Büroräume hat – mit lauter Musik empfängt, und der nun Hauptadressat von Mørcks Launen wird. Obwohl die beiden sich gar nicht so unähnlich sind, denn genau wie Mørck hat auch Assad Probleme damit, sich Regeln unterzuordnen; und auch für ihn ist die Abteilung Q eine letzte Chance. Drei Fälle sollen sie nun pro Woche abschließen, und ansonsten keinen Ärger machen. Doch Mørck kann seinen Instinkt und seine Sturheit nicht einfach so ausschalten, und so dauert es nur wenige Tage, bis er sich trotz anders lautender Anweisungen gemeinsam mit Assad einen der Fälle näher ansieht: das spurlose Verschwinden der jungen Politikerin Merete Lynggaard (Sonja Richter) von Bord einer Ostseefähre vor einigen Jahren. Der Abschlussbericht der Polizei deutet auf Selbstmord hin. Mørck aber hat das deutliche Gefühl, dass etwas ganz anderes dahinter stecken könnte. Mit Assad nimmt er die Ermittlungen auf. Die beiden gehen den Abschlussbericht durch und besuchen Merete Lynggaards geistig behinderten Bruder Uffe (Mikkel Boe Følsgaard), der mit ihr auf der Fähre war, aber nicht vernehmungsfähig ist. Dabei wird ihnen immer klarer, dass irgendetwas an diesem Fall nicht stimmt. Als sie tiefer und tiefer in die Vergangenheit von Merete Lynggaard eintauchen, beginnen sie langsam aber sicher zu verstehen, dass das Böse manchmal nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, bis es sich voller Grausamkeit und Horror in ein Leben drängt...

Quelle: Archiv/ Presseheft

Interview Mikkel Nørgaard

Wie gut kannten Sie Jussi Adler-Olsens Bücher, bevor Sie zum Filmprojekt kamen?
Offen gestanden, ich hatte kein einziges gelesen, als mich die Produzentin Louise Vesth ansprach, ob ich Interesse an dem Projekt hätte. Damals waren drei Bücher erschienen, und gleich danach las ich alle drei, und fand sie sehr interessant.

War es angesichts der Popularität der Romane naheliegend, dass man sich zunächst eng an die Vorlage hält?
Nikolaj Arcel, der Drehbuchautor, und ich haben viel darüber gesprochen. Wenn man sich an einer solche Bearbeitung fürs Kino macht, muss man Respekt vor dem Buch haben und seiner Essenz treu bleiben. Aber es ist schon sehr wichtig, dass man zu seiner persönlichen Interpretation findet – das Buch und der Film sind nun einmal zwei verschiedene Dinge. der Film ist „unser“, wenn man so will. Man bringt sich persönlich ein, man trifft Entscheidungen, sonst würde man es falsch machen. Natürlich haben wir viel weggelassen, aber ich würde sagen, dass wir die ganz besondere Atmosphäre auch im Film eingefangen haben.

Was ist für Sie die Essenz der Geschichte?
Ich muss bei meinen Projekten immer einen persönlichen Zugang finden. Bei diesem Film war es die Beziehung zwischen Carl und Assad – wie diese beiden sehr unterschiedlichen Männer aufeinander treffen. In meinem Büro hatte ich lange einen Zettel hängen, auf dem stand, was der Film für mich bedeutet, und das war: Der Beginn einer Freundschaft. Das war mein Zugang, und ich denke, das ist auch das Herzstück des Films.

Umso wichtiger war es, die richtigen Darsteller für die Hauptrollen zu finden. Wie kamen Sie auf Nikolaj Lie Kaas als Mørck und Fares Fares als Assad?
Es dauerte sechs, sieben Monate, bis die Besetzung stand. ich wusste von Beginn an, dass ich gern Fares als Assad hätte. Ich hatte zwar nicht mit ihm zusammengearbeitet, aber ich hatte einige seiner schwedischen Filme gesehen, Jalla! Jalla! zum Beispiel. Ich liebe einfach seine Art, an eine Figur heranzugehen. Er hat sehr viel Kraft, aber auch sehr viel Herz. Ich brauchte ein halbes Jahr, um ihn zu fassen zu kriegen. Mal drehte er in den USA, mal sonst wo – es war sehr schwierig. Gleichzeitig dachte ich darüber nach, wer Carl spielen könnte. Ich konnte die Figur lange Zeit nicht recht fassen. Zunächst suchte ich nach jemand Älterem, aber irgendwann wurde mir klar, dass die Figur in einem Zwiespalt steckt. Dass Mørck nur so viele üble Dinge gesehen hat, dass er vorzeitig gealtert ist. Geistig steht er schon fast vor der Rente. Wenn man ihn dann so traurig, wütend und aggressiv sieht, wundert man sich, warum jemand, der sein Leben doch eigentlich noch vor sich hat, so reagiert. Diese Vorstellung, dass er im Inneren mindestens 60 ist, hat mir die Figur erschlossen. Ich wollte schon seit Jahren gern mit Nikolaj arbeiten, aber irgendwie hatte es sich nie ergeben. Doch plötzlich meldete sich Nikolajs Agent, und wir trafen uns, um die Rolle zu besprechen. Er spielte gerade Theater, und wir hatten nicht mehr als eine Dreiviertelstunde, bevor er auf die Bühne musste. Wir saßen in seiner Garderobe und sprachen haupt- sächlich über eine Katze und gerade mal eine Viertelstunde über dieses Projekt, aber es hat sofort Klick gemacht. Wir haben beide sofort verstanden, worauf der andere hinaus will. Die Chemie stimmte, ich rief ihn gleich am nächsten Tag an, und er sagte zu. Fares kam dann ein paar Wochen später dazu. Bei unserem ersten Treffen zu dritt wusste ich, dass ich die beiden Richtigen gefunden hatte.

Weil die beiden so gut passten – mussten Sie sich dann praktisch nur noch selber spielen oder weichen die Figuren sehr von ihren Darstellern ab?
Ganz erheblich sogar. Nikolaj, dessen Arbeiten ich am besten kenne, hat eine riesengroße Bandbreite, ist für mich aber eigentlich jemand, der lustig und humorvoll ist. Ihn stelle ich mir immer mit einem Lächeln auf den Lippen vor. Carl aber sollte ja nun ein in sich gekehrter, schlecht gelaunter Charakter sein. Nikolaj und ich haben sehr viel darüber gesprochen. Ich sagte zu ihm: Nikolaj, du sollst nicht das ganze Farbspektrum spielen, sondern bloß bestimmte Farbnuancen. Ich war überzeugt, dass diese Idee funktionieren würde, und ich bin sehr glücklich darüber, dass Nikolaj sich dieser Herausforderung gestellt und sich wirklich reingehängt hat. Was Fares betrifft, musste er natürlich das Gegenteil sein. Wenn Fares sagt: „Bringt mir die Welt, und ich umarme sie“, sagt Carl: „Lasst mich mit der Welt in Ruhe!“. Fares sollte mit seiner menschlichen Wärme das Herz des Films sein, aber er sollte eben auch eine dunkle Seite haben, dass man zumindest ahnt, dass er nicht einfach eine rundum glückliche Person ist.

Hat Ihre Erfahrung mit Komödien Ihnen geholfen, den Humor im Film zu finden und so ein gewisses Gegengewicht zu den Grausamkeiten zu schaffen?
Ich denke schon. Komödie und ihre Kraft wird oft unterschätzt und nicht ausgeschöpft, gerade im Rahmen eines Dramas. Man muss sich bloß umschauen: In unserem Leben sind das Ernste und das Komische doch immer verbunden, selbst in den schlimmsten Situationen. Auch bei einer Beerdigung kommt irgendwann der Punkt, wo man lachen muss, und das ist auch wichtig. Humor ist für mich extrem wichtig. Bei meinen Komödien war der Humor natürlich ganz offensichtlich, hier wollte ich ihn innerhalb der Figuren halten, mir ging es eher um Ironie und Sarkasmus. Nikolaj hat ein perfektes komisches Timing, und auch Fares hat ja in einigen Komödien gespielt. Die beiden haben verstanden, dass man auch in sehr ernsten Szenen Humor unterbringen kann, wenn es denn aus den Figuren heraus entspringt. Ich glaube, dies unterscheidet uns auch von anderen skandinavischen Thrillern: dass wir mehr Raum für Humor gelassen haben.

Wie haben Sie die Schauspieler – gerade Sonja Richter, die Merete spielt – auf die Rollen vorbereitet, die ihnen sehr viel abverlangen würden?
Sonja hatte in der Tat am meisten zu leiden. Sie hat sich sehr intensiv vorbereitet: Sie hat sich den ganzen Sommer vor unserem Dreh damit beschäftigt, was es bedeutet, isoliert oder gefangen zu sein. Sie las viele Bücher über Gefangenschaft und recherchierte viel. Sie brachte sehr viele eigene Ideen mit, wie sich ihre Figur Merete verhalten würde, auch ganz viele Kleinigkeiten und Nuancen. Sie hatte sich die ganze Geschichte angeeignet, sie steckte ihr sozusagen tatsächlich in den Knochen. Wir drehten die ersten Szenen im Käfig am Anfang und nach ein paar Wochen die restlichen Szenen, so dass sie in der Zwischenzeit so viel abnehmen konnte wie eben möglich. Sie hat dem Film wirklich sehr viel gegeben, und ich bin von ihrer Leistung völlig beeindruckt, sie ist großartig.

Den Großteil des Films über sind die beiden Erzählstränge – Merete Lynggaard auf der einen Seite, Mørcks und Assads Ermittlungen auf der anderen Seite – voneinander getrennt. War es schwierig, sie am Ende so zusammenzuführen, dass trotzdem ein einheitlicher Erzählstil erhalten bleibt?
Das war schon eine Herausforderung. Wenn man zwei Geschichten parallel erzählt, läuft man immer Gefahr, dass das Publikum die eine vorzieht und sich auf die andere nicht richtig einlässt. Wir haben lange über die richtige Balance nachgedacht. Dadurch, dass wir in der zweiten Hälfte des Films Lasses Geschichte einführen, versteht Carl endlich, was wirklich vorgefallen ist, und das Publikum mit ihm. So kommen die beiden Geschichten langsam zusammen, die ja auch ganz unterschiedliche Zeiträume umspannen – bei Merete und Lasse, ihrem Entführer, sind es fünf Jahre, bei Carl und Assad nur einige Wochen. Durch die Vorgeschichte entwickelt man Mit- gefühl für Lasse, auch der Schurke hat ja ein Herz. Für mich geht es in dem Film auch darum, was für Entscheidun- gen Menschen in ihrem Leben treffen, und Lasse hat sich sozusagen irgendwann für die dunkle Seite entschieden.

Sehen Sie „Erbarmen“ als einen realistischen Film?
Mir ging es nicht um Realismus. Dies ist Fiktion, und sie dient dazu, den Zuschauer aus seinem Alltagsleben zu entführen und in eine andere Welt mitzunehmen. Es ging darum, eine Atmosphäre zu schaffen. Wenn das Publikum die Emotionen einer Szene miterlebt, ist es ihm egal, ob es bei Tag oder bei Nacht, bei Regen oder bei Sonnen- schein spielt. Uffes Pflegeheim zum Beispiel, das wir in Deutschland gedreht haben, hat etwas Magisches, Andersweltliches, und auch das Kellerbüro von Mørck ist so gestaltet, um eine bestimmte Atmosphäre zu ver- mitteln. Mir ging es darum, dass der Zuschauer gar nicht lange darüber nachdenkt, ob eine bestimmte Szene realistisch ist oder nicht, sondern dass er sich in dieses Universum hineinziehen lässt.

Quelle: Archiv/ Presseheft

Interview Nikolaj Lie Kaas

Waren Sie mit der Romanfigur Carl Mørck vertraut, als Ihnen die Rolle angeboten wurde?
Bevor ich zu dem Projekt kam, kannte ich Jussi Adler-Olsen nicht, ich hatte nicht mehr als die eine oder andere Buchrezension gelesen. Aber nachdem mich Mikkel Nørgaard gefragt hatte, ob ich mir vorstellen könne, Mørck zu spielen, war mir völlig klar, dass die Bücher der Ausgangspunkt für meine Vorbereitung auf die Rolle sein müssten. Ich vergewissere mich in den Büchern auch jetzt noch immer wieder, ob wir nicht vielleicht das eine oder andere übersehen haben oder noch besser machen könnten.

Im ersten Film lernen wir Carl Mørck auch erst einmal richtig kennen. Können Sie ihn ein wenig beschreiben?
Er ist vor allem mit sich selbst beschäftigt, er ist arrogant, er gibt manchmal auch eine ziemlich lächerliche Figur ab – vor allem aber es ihm egal, ob er gemocht wird oder nicht. Er ist verbittert, nicht zuletzt, weil die Welt ihn nicht als das ansieht, was er seiner Ansicht nach ist: der Beste seines Fachs. Sein Beruf nimmt sein ganzes Leben ein, er hat keine andere Identität als seinen Job. Wenn man so jemandem den wegnimmt, dann bleibt nichts übrig. Er ist nicht jemand, den man unbedingt spontan sympathisch findet, und daher ist es auch so wichtig, dass er mit Assad einen Partner hat, der sozusagen das Publikum an die Hand nimmt und ihm zu verstehen gibt, dass Carl eigentlich doch ganz OK ist. Und man ein wenig Zeit mit ihm verbringen kann.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Fares Fares, der Mørcks Partner Assad spielt?
Es war hochinteressant mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, auch wenn wir völlig unter- schiedliche Schauspieler sind. Wir sind beide professionell, aber wir gehen unterschiedlich an die Rollen heran. Er ist sehr gewissenhaft, ich bin dagegen nur bis zu einem gewissen Punkt diszipliniert; so, dass es reicht, um gut vorbereitet zu sein. Aber beim Drehen selbst bin ich für alles offen. Es reizt mich einfach, so viele verschie- dene Möglichkeiten auszuloten und in die eine oder andere Richtung gehen zu können – und auch wenn die Kamera schon läuft, sehe ich überall noch Möglichkeiten. 

Ging es Ihnen bei der Vorbereitung auf die Rolle vor allem um die Psychologie der Figur, oder worauf haben Sie sonst noch Wert gelegt?
Ich hatte mehrfach Gelegenheit, bei Besprechungen und bei Einsätzen von Kollegen von Mørck dabei zu sein,um zu sehen wie sie arbeiten. Ich war auch einmal mit einem Spezialkommando unterwegs – mit denjenigen, die die Türen eintreten. Vor allem aber fand ich es interessant, wie wichtig Teamwork ist – jeder bringt seine Stärken ein. Was mich aber am stärksten beeindruckt hat: Eine morgendliche Einsatzbesprechung, bei dem alle Vorkommnisse der letzten 24 Stunden durchgegangen wurden. Man fühlte das ehrliche Entsetzen, als der Report verlesen wurde, die ganze Liste von Messerstechereien, Vergewaltigungen, Körperverletzung, Mord... Die
Anwesenden waren geschockt und auf gewisse Weise auch enttäuscht von der Gesellschaft. Als es um den Fall ging, bei dem eine Babysitterin erstochen worden war, ging ein tiefes Stöhnen durch den ganzen Raum. Ich war geradezu erschüttert, mit welchem Ehrgeiz diese Menschen versuchen, ihr Land zu einem besseren Ort für alle zu machen. Sonderlich gut bezahlt werden sie dafür nicht – es sind echte Idealisten. Auch wenn es sich pathetisch anhört: Für mich war das eine echte Offenbarung.

Was konnten Sie davon für Ihre Rolle übernehmen?
Es steckt auch in Carl, dass er unbedingt die Wahrheit herausfinden will – das ist sein Antrieb. Er kann es nicht ertragen, dass seine Fälle nicht gelöst werden, und dass das erlittene Unrecht nicht gesühnt wird. Das quetscht ihn aus. Er hat definitiv einen moralischen Kompass bei allen seinen Handlungen. 

„Erbarmen “ist der Beginn einer Filmreihe, die eines Tages zehn Filme umfassen könnte – ist das eine faszinierende Aussicht für einen Schauspieler?
Auf jeden Fall auch eine beängstigende! (lacht) Ich habe mich bis jetzt noch nie auf Dauerrollen eingelassen, davor bin ich immer zurückgeschreckt, weil es immer gefährlich ist, wenn man sich an einem Ort zu wohl fühlt. Das ging mir am Königlichen Theater in Kopenhagen so. Als ich eines Tages dort in der Kantine saß, merkte ich plötzlich, dass ich es dort so gemütlich fand, dass ich am liebsten nie wieder weggegangen wäre – und das war für mich der Zeitpunkt, etwas Neues zu suchen. Aber in diesem speziellen Fall sehe ich ein so großes Potential in dieser Rolle. Wir haben jetzt gerade ganz sachte angefangen und erst die Oberfläche seines Charakters angekratzt. Außerdem habe ich trotzdem genug Luft für andere Dinge; mehr als drei, vier Monate pro Jahr nehmen die Filme mich nicht in Anspruch.

Was aus Ihrer Erfahrung als Theaterschauspieler haben Sie für Mørck nutzen können?
Wir haben in Europa diese starke Theatertradition, und sie ist so unglaublich wichtig für die Schauspieltechnik, dafür, dass einem immer mehrere Optionen zur Verfügung stehen. Was Mørck betrifft, war für mich das Entschei- dende – und so haben Mikkel und ich es auch besprochen – dass es so viele Facetten dieser Figur gibt, wir aber ganz bewusst nur wenige davon zeigen. Bis jetzt habe ich die ganze Ideen aufgenommen, aber zunächst einmal in mir verborgen. Ich denke, die Rolle verlangt das.

Ist Ihnen Carl Mørck sympathisch?
Es ist lustig: Man will seine Figur irgendwie auch verteidigen. Aber man ja hat das Drehbuch gelesen, und dann weiß man schon, dass er in einer bestimmten Szene alles falsch macht, ohne es auch nur zu merken. Es ist natürlich auch ein Teil des Spaßes, dass der Zuschauer mehr weiß als die Figuren. Mørck ist so was wie ein uncooler Columbo, dem es nicht darum geht, andere zu beeindrucken. Wir wollen Mørck nicht erklären, sondern ihn einfach zeigen, wie er ist, und uns auch nicht dafür entschuldigen, dass er nicht sonderlich liebenswert ist. Er hat nun einmal nichts für Bullshit übrig. Er ist überzeugt, dass er weiß, wie man eine Sache angeht, und hat er keine Zeit für großes Gerede oder Höflichkeitsfloskeln.

Wie wird sich die Beziehung zwischen Mørck und Assad weiterentwickeln?
Für beide ist Arbeit ihre Religion. Da sind sie sich sehr ähnlich. Sicher, das Publikum weiß, wie ein Buddy-Movie funktioniert, und kann diese Zweierbeziehung gut interpretieren. Aber gerade weil die Beziehung so gefestigt erscheint, wird es im irgendwann auch darum gehen, diese Beziehung auf die Probe zu stellen, fast schon zu sprengen. Sonst verkommt das zum Klischee und wäre auch nicht mehr spannend. Ich will Konflikte! (lacht)

Quelle: Archiv/ Presseheft