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Das weisse Band

Ein Dorf in Norddeutschland am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Im Zentrum des Geschehens steht ein vom Dorflehrer geleiteter Schul- und Kirchenchor. Die Mitglieder und deren Familien bilden einen Querschnitt der Dorfgemeinschaft. Plötzlich ereignen sich einige Vorfälle, die nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen annehmen. Doch wer steckt dahinter? Der Dorflehrer geht der Sache nach.
DEU,FRA,AUT,ITA 2009
144 min
Genre: Drama/Movie
Regie: Michael Haneke
Darsteller: Burghart Klaußner, Christian Friedel, Ulrich Tukur, Ursina Lardi
Studio: Warner Bros
FSK: 12
Preis: € 1,98
Preis HD: € 2,98

Inhalt

Ein kleines Dorf in Brandenburg, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Seltsame Dinge passieren: gewaltsame Misshandlungen, Unfälle, mysteriöse Vorkommnisse. Der Dorfarzt erleidet einen schweren Reitunfall, das Kind eines Gutsherrn wird misshandelt, später auch der behinderte Sohn der Hebamme. Einem Kanarienvogel wird mit einer Schere der Kopf abgeschnitten. Mit dem Dorffrieden ist es bald nicht mehr weit her. Verdächtigungen werden geäußert, das gesellschaftliche Gefüge droht aus den Bahnen zu laufen. Michael Hanekes „Das weiße Band“ seziert dieses Gefüge: Das Zusammenleben der bäuerlichen Gemeinde erhält durch den vermögenden Gutsherrn (Ulrich Tukur) seine Klammer; von da abwärts dominieren subgeordnete Autoritäten das Dasein: Vom protestantischen Pastor (Burghart Klaussner), der seinem Sohn nachts die Hände festbindet, damit er nicht onanieren kann, vom Dorfarzt (Rainer Bock), der die Affäre mit seiner in die Jahre gekommenen Hebamme (Susanne Lothar) durch Gemeinheiten beendet und sich an seiner 14-jährigen Tochter vergeht, vom Dorflehrer (Christian Friedel), dessen zarte Liebesavancen an eine 17-Jährige (Leonie Benesch) durch äußere Umstände verhindert werden.

Quelle: Archiv/ Presseheft

Interview Michael Haneke

Herr Haneke, der Film „Das weisse Band“ war ursprünglich als Fernseh-Dreiteiler konzipiert und lag viele Jahre in der Schublade. Wieso konnten Sie den Film damals nicht realisieren?

Der Film konnte damals nicht hergestellt werden, weil er dem Fernsehen zu teuer war. Daraufhin habe ich das Drehbuch in die Schublade gelegt, so wie ich das schon mit einigen meiner Projekte machen musste. Auch auf die Realisierung von „Wolfzeit“ musste ich lange warten. Später habe ich dann das Drehbuch gekürzt und zu einer Kinofassung umgeschrieben.

Ist es frustrierend für einen Regisseur, der bereits so ein großes Ansehen genießt, trotzdem jahrelang auf die Realisierung von Projekten warten zu müssen?

Ich bin das schon gewöhnt (lacht). Ich kann mich aber nicht beklagen, denn ich hatte die Möglichkeit, die ganzen letzten Jahre kontinuierlich zu arbeiten. Ich habe noch einige fertige Drehbücher in der Schublade, zum Beispiel für eine 12-teilige Science-Fiction-Serie, die wahrscheinlich nie gemacht werden wird.

Ist „Das weiße Band“ ein Kommentar zu aktuellen politischen Entwicklungen?

Ein aktueller politischer Kommentar war nicht die Absicht dieses Films. Natürlich erhält er durch den religiösen Fanatismus und Terrorismus, der heute herrscht, eine zusätzliche Dimension von Aktualität. Ich meine damit den islamistischen Terror, denn in „Das weißse Band“ geht es natürlich auch um die Wurzeln des Faschismus, aber nicht ausschließlich. Es geht um die Wurzel jeder Art von Terrorismus. Indem ich irgendeine Idee verabsolutiere und sie zur Ideologie mache, wird sie unmenschlich und wendet sich gegen alle, die nicht dieser Ideologie folgen. Die Anhänger der Ideologie fühlen sich dann autorisiert, die anderen dahin zu zwingen, wo sie sie haben wollen. Das gilt sowohl für den Rechtsfaschismus wie für den Linksfaschismus sowie für christliche oder andere Religionen.

Was halten Sie von Religion im Allgemeinen? Bringen alle Religionen Schuldgefühle?

Die Schuldproblematik ist ein wesentliches Merkmal der jüdisch-christlichen Tradition. Ich kenne andere Religionen zu wenig gut, um dazu etwas sagen zu können. Doch das Problem der Schuld ist nicht allein ein Religiöses, sondern auch ein Philosophisches. Schuld muss auch nicht immer ein negatives Gefühl sein. Das Bewusstsein, schuldig zu sein, kann auch dazu provozieren, mitmenschlicher zu sein. Schuldig werden heißt nicht, absichtlich böse zu sein. Wir in der westlichen Welt mit unserem Wohlstand leben zum Beispiel auf den Schultern der Dritten Welt. Wir sind letztlich schuld daran, können ein schlechtes Gewissen haben, aber es ändert nichts.

Wieso drehten Sie „Das weiße Band“ in schwarzweiß?

Weil alle Bilder aus dieser Zeit Schwarzweiß-Bilder sind. Wenn Sie heute einen Film über das 18. Jahrhundert drehen, dann werden Sie das in Farbe tun, weil das einzige, was man an Bilddokumenten hat, sind Gemälde, und die sind im Allgemeinen farbig. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Film erfunden, daher denken wir diese Zeit in Schwarzweiß. Außerdem liebe ich Schwarzweiß, und ergreife jede Gelegenheit, so zu drehen.


Quelle: Archiv/ Presseheft

Kritik

Ein kleines Dorf in Brandenburg, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Seltsame Dinge passieren: gewaltsame Misshandlungen, Unfälle, mysteriöse Vorkommnisse. Der Dorfarzt erleidet einen schweren Reitunfall, das Kind eines Gutsherrn wird misshandelt, später auch der behinderte Sohn der Hebamme. Einem Kanarienvogel wird mit einer Schere der Kopf abgeschnitten. Mit dem Dorffrieden ist es bald nicht mehr weit her. Verdächtigungen werden geäußert, das gesellschaftliche Gefüge droht aus den Bahnen zu laufen. Michael Hanekes „Das weiße Band“ seziert dieses Gefüge: Das Zusammenleben der bäuerlichen Gemeinde erhält durch den vermögenden Gutsherrn (Ulrich Tukur) seine Klammer; von da abwärts dominieren subgeordnete Autoritäten das Dasein: Vom protestantischen Pastor (Burghart Klaussner), der seinem Sohn nachts die Hände festbindet, damit er nicht onanieren kann, vom Dorfarzt (Rainer Bock), der die Affäre mit seiner in die Jahre gekommenen Hebamme (Susanne Lothar) durch Gemeinheiten beendet und sich an seiner 14-jährigen Tochter vergeht, vom Dorflehrer (Christian Friedel), dessen zarte Liebesavancen an eine 17-Jährige (Leonie Benesch) durch äußere Umstände verhindert werden. Eine zentrale Rolle spielen die Kinder dieses Dorfes, die unter den harschen Erziehungsmaßnahmen leiden – hier ging es um Disziplin und Gehorsam, „um aus den Kindern gute, aufrichtige Menschen zu formen“, wie der Pastor einmal sagt. Wenn eines seiner Kinder nicht spurt, dann setzt es zehn Rohrhiebe. Ein weißes Band, das die Kinder in diesem Film zur Erinnerung an ihre Untaten von den Eltern zu tragen gezwungen sind, soll Reinheit und Unschuld symbolisieren, zeugt aber in Wahrheit von Unterdrückung und Angst. Dahinter, so deutet Haneke an, steckt das durch die Erziehung verursachte „Absolutieren der Ideale der Elterngeneration“. Eine Gruppe von Kindern steht am Ende als Täter all jener schrecklichen Ereignisse da, die das Publikum zweieinhalb Stunden gebannt in den Kinosessel drücken. „Sie verstanden die Ideale und die Gesetze ihrer Eltern und bestrafen all jene, die nicht nach diesen Idealen leben. Wer Ideale verabsolutiert, der wird zum Unmensch“, sagt Haneke. „Das ist die Wurzel jeder Form von Terrorismus“. Die schwarzweißen Bilder von Kameramann Christian Berger, die beinahe literarische Erzählstimme aus dem Off und die Diskrepanz der Sprache zu heutiger Sprach-Banalität wirken wie ein Sog in ein erschütterndes Drama, das im Kleinen beschreibt, wo die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts ihren Ursprung haben. 

Quelle: Archiv/ Presseheft